Ein neuer Stammsitz

 Einer der mächtigsten Kuenringer war Hadmar II., der Sohn Alberos III.. Er wurde um 1140 geboren. Er gilt als zweiter Gründer des Stiftes Zwettl und diente den Herzogen Heinrich II., Leopold V, Friedrich I. und Leopold VI..

Allerdings ist es aber gerade der Bedeutung Hadmars II. zuzuschreiben, dass Kühnring seine Bedeutung als Stammsitz der Kuenringer verlor und schließlich - zwei Generationen später - auch nicht mehr im Besitz der Kuenringer sein sollte.

Unter Hadmar II. wurde Weitra neuer Stammsitz der Kuenringer. Im Jahr 1185 erhielt Hadmar das Gebiet von Weitra von Herzog Friedrich von Böhmen als Lehen. Dies geschah als Dank für die Unterstützung in einer Auseinandersetzung Friedrich mit seinem Widersacher Sobieslaw II..

Hadmar rodete den Wald und erbaute die feste Burg zu Weitra, die das zweite Stammhaus der Kuenringer werden sollte und als solches Kühnring ablöste.

In die Geschichte ging Hadmar II. insbesondere auch als Bewacher des englischen Königs Richard Löwenherz ein. Dieser wurde nach einer Auseinandersetzung mit Herzog Leopold V. im Rahmen des dritten Kreuzzugs in Wien-Erdberg gefangen genommen und auf Hadmars Burg Dürnstein festgehalten.

Hadmar II. gilt als der zweite Gründer des Stifts Zwettl, da dieses unter ihm wesentlich erweitert wurde. So erbaute er die noch fehlenden drei Seiten des Kreuzganges.

Hadmar war mit Eufemia von Mistelbach, der Tochter Heinrichs, des "Hundes von Mistelbach" verheiratet. Der Beiname "Hund" ging schließlich an Hadmars Söhne Hadmar III. und Heinrich II. über.

Im Jahr 1217 zog Hadmar II. noch einmal Richtung Palästina. Er beteiligte sich am Kreuzzug im Gefolge Herzogs Leopolds VI. Er war zu diesem Zeitpunkt bereits über 70 Jahre alt. Doch wahrscheinlich bereits auf der Überfahrt nach Dalmatien starb er am 21. Juli 1217. Seine Gebeine wurden nach Zwettl gebracht und im Kapitelhaus bestattet.

Hoch-Zeit der Burg Kuenring

Hadmar I., der Gründer des Stiftes Zwettl und vermutliche Neu-Erbauer der Burg Kuenring - der Erste, der den Namen "Kuenring" trug, starb kinderlos. Auch seine Brüder, die weiteren Söhne Nizzos I., hinterließen keine Nachkommen. 

So erbte Albero III., der Cousin Hadmars I., die Burg Kuenring. Albero III. war der älteste Sohn Albero I. und wurde wahrscheinlich zwischen 1115 und 1120 geboren.

Mit Albero III. erreichte die Burg Kuenring wohl den Höhepunkt ihrer Bedeutung. Sie war der Stammsitz eines der bedeutendsten Ministerialen Österreichs. Höchstwahrscheinlich machte Albero III. auch den Kreuzzug des Herzogs Heinrich Jasomirgott mit.

Albero war, gemeinsam mit seinen Brüdern, auch Zeuge eines für die österreichische Geschichte äußerst bedeutsamen Ereignisses: der Erhebung zum Herzogtum am 17. September 1156 in Regensburg.

Die enge Beziehung zwischen Albero III und der Burg Kuenring geht auch aus einer Federzeichnung des Zwettler Stiftungsbuches hervor: Albero hält dort je ein Modell der Kirche und der Burg zu Kuenring in seinen Händen.

Albero III. starb am 15. August 1182 - vermutlich in der Burg Kuenring. 

Azzos Söhne

Urkunden nennen die Söhne des Azzo: Anshalm, Nizzo und Albero. Es wird jedoch heute auch vermutet, dass es sich dabei nicht um Söhne, sondern um Enkel Azzos handelt.

Anshalm dürfte der älteste Sohn Azzos gewesen sein. Jedenfalls scheint er als der Herr der Veste Hecimanneswisa (auch Hezmannswiesen oder Azzmanswiesen) auf. Anshalm war also der Besitzer Kühnrings. Er wird etwa in einer Urkunde aus 1110 Anshalm "de Hezimanniswisin" genannt. 1120 nennt sich seine Gemahlin Truta ebenfalls "von Hezmannswiesen". Anshalm hatte einen Sohn namens Azzo, der jedoch noch vor seinem Vater starb.

Nizzo, der zweite Sohn Azzos spielt für unsere Betrachtung insofern eine Rolle, als er der Vater Hadmars I. ist. Und dieser Hadmar ist der Erste, der sich "von Kuenring" nennt; wenn man so möchte, ist er der erste Kuenringer. Hadmar I. ist somit nach Anshalm der nächste Besitzer Kühnrings.

Der dritte Sohn Azzos, Albero I., ist der eigentliche Ahnherr der späteren Herren von Kuenring, da neben Hadmar I. auch die weiteren Nachkommen Nizzos, Albero II. , Dietmar und Pilgrim, kinderlos bleiben. Somit geht auch Kühnring letztlich in den Besitz der Nachkommen Alberos I. über.

 

 

Ein Ring der Kühnen?

 "Hie habent die chuonen ditzes landes an ainem ring, Do von schol daz hous heizzen Chuenring!"

Mit diesen Worten erklärt die Reimchronik die Entstehung des Namens "Kuenring". Dieser Name erscheint zuerst im Jahr 1136 in einer Urkunde, in der Hadmar I. als Zeuge einer Schenkung der Markgräfin Agnes aufscheint.

Daraus ist zunächst zu schließen, dass die Burg Kuenring von Anshalm nach dessen Tod an Hadmar I., den Sohn des Nizzo übergeht.

Die Reimchronik erzählt, dass die Nachkommen des Azzo eines Tages zusammenkamen, um über einen gemeinschaftlichen Namen zu beraten. Sie beschlossen, eine Burg zu bauen, nach der sich alle Familienmitglieder nennen sollten. Sie fanden einen geeigneten Platz in der Nähe der Stadt Eggenburg. Als sie schließlich über den Namen des neuen Stammsitzes berieten, fielen die eingangs erwähnten Worte ("Hier stehen die Kühnen dieses Landes in einem Ring, deshalb soll das Haus Kuenring heißen").

Natürlich ist auch diese Geschichte eine Sage und entspricht in ihren Details sicher nicht der historischen Wahrheit.

Der wahre Kern der Geschichte liegt wohl darin, dass in Kühnring eine Burg gebaut wurde, nach der das Geschlecht der Kuenringer benannt ist. Die Reimchronik berichtet jedoch nichts darüber, wer diesen Bau ausgeführt hat und wann dies geschehen ist.

Das Stiftungsbuch des Klosters Zwettl spricht die Vermutung aus, dass Albero III., der Sohn des Albero I., der Erbauer der Burg ist, weil er in den Urkunden des Klosters der Erste war, der sich "von Kuenring" genannt hat. Tatsächlich aber war es oben erwähnter Hadmar I., der sich im Jahr 1136 als erster "von Kuenring" genannt hatte und der somit der wahrscheinliche Erbauer der Burg Kuenring ist.

Der Zeitpunkt der Erbauung der Burg muss zwischen 1120 und 1136 liegen, da sich im im Jahr 1120 Anshalms Gemahlin noch "von Azzmannswiesen" nannte und 1136 Hadmar I. bereits als "von Kuenring" auftrat.

Besondere Bedeutung erhielt Hadmar I. aufgrund der Tatsache, dass er der Stifter des Klosters Zwettl ist. Zu Weihnachten 1127 nahmen 12 Mönche des Stiftes Heiligenkreuz die Güter in Besitz und begannen mit dem Bau von Kloster und Kirche.

Hadmar I. starb vermutlich am 27. Mai 1138 und liegt in Stift Göttweig begraben. 

Woher kamen die Kuenringer?

Das Erste, was wir von den Kuenringern wissen, ist, dass Azzo im Jahr 1056 drei Königshufe im Ort Hecimanneswisa erhielt. Was aber war zuvor? Woher kamen die Kuenringer? 

Die Reimchronik des Stiftungsbuches des Klosters Zwettl erzählt über die Herkunft der Kuenringer Folgendes:

Zu Zeiten des Markgraf Leopold wurde die Ostmark von den benachbarten Völkern der Ungarn, Baiern und Böhmen durch häufige Einfälle fürchterlich verwüstet. Aus diesem Grunde wandte sich Markgraf Leopold an seinen Bruder Poppo, Erzbischof von Trier, um Hilfe. Dieser stattete eine zahlreiche Schar Krieger aus und sandte sie unter dem Befehl des Azzo in die Ostmark. Sie errangen einen glanzvollen Sieg. Daraufhin ließ Leopold den Azzo nicht mehr in seine Heimat zurück, sondern überhäufte ihn mit Ehren und Reichtümern.

Ist diese Geschichte auch reichlich ausgeschmückt und entspricht in den meisten Details nicht der historischen Wahrheit, so dürfte sie in den Grundzügen doch stimmen. Die Ereignisse haben sich wahrscheinlich etwa folgendermaßen zugetragen:

Als im Gefolge des Zerfalls des fränkischen Reiches die - erst später so genannten - Babenberger ihren Schwerpunkt an die Ostgrenze des Reiches - die österreichische Mark - verlegten, gingen auch deren Dienstleute mit in den Osten. Unter diesen Dienstleuten befanden sich auch die Vorfahren der Kuenringer. Zu Beginn des 11. Jahrhunderts wird der Babenberger Poppo zuerste Propst im Domkapitel von Bamberg und anschließend Erzbischof von Trier. Dieses Erzbistum hatte damals acht Jahre der Wirren und Kämpfe hinter sich. Darum hat Poppo wohl aus dem Kreis der Dienstleute seiner babenbergischen Verwandten eine Gruppe von Mitarbeitern und Kämpfern mitgenommen. Als schließlich König Heinrich III. durch die Gründung der Ungarn- und Böhmenmark in den vierziger Jahren des 11. Jahrhunderts die Verhältnisse an der Ostgrenze beruhigen und sichern wollte, mag er sie als "Experten" mitgenommen haben. Warum diese dann in der österreichischen Mark blieben, wissen wir nicht.

Jedenfalls erhielt am 29. Dezember 1056 ein Azzo, der "serviens" des Markgrafen Ernst genannt wird, drei Königshufe in einem Ort namens Hecimanneswisa, wie wir vermuten, dem heutigen Kühnring.